Gefährdet Alkohol die Beziehung?

Schauen wir uns zunächst einmal die Fakten an. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2024 konsumierten 8,6 Millionen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland riskante Mengen Alkohol. Etwa 2,2 Millionen von ihnen erfüllten die medizinischen Kriterien einer Abhängigkeit. (Quelle: Bundesministerium für Gesundheit). Die WHO hat für das Jahr 2024 ermittelt, dass weltweit jährlich etwa 2,6 Millionen Menschen an den Folgen von Alkohol sterben, davon rund 2 Millionen Männer.

Diese Zahlen sind deshalb wichtig zu wissen, weil sie untermauern, warum Partner*innen Angst vor Sucht, Krankheit und Tod der geliebten Person haben, wenn diese trinkt. Beschwichtungen wie: „Es sind doch nur ein paar Gläschen” beantworten die tiefsitzende und berechtigte Angst des/der Partner*in nicht. Doch wie sieht es mit der persönlichen Freiheit aus, Alkohol zu genießen? Alkohol trinken und keinen Alkohol trinken sind Strategien, um Bedürfnisse zu erfüllen. In unserem Beispiel sind dies das Bedürfnis nach Entspannung und das Bedürfnis nach Sicherheit. Während sich Strategien oft im Wege stehen bzw. ohne Ergebnis und mit viel Streit diskutiert werden, sind Bedürfnisse nicht konträr zueinander. Die meisten Paare sind u. a. deswegen zusammen, weil sie einander das Stillen von Bedürfnissen ermöglichen möchten.

Wie dieses Paar das für sich gelöst hat, lesen Sie hier:

Z: Ich möchte heute das Thema Alkohol ansprechen. Mein Vater hatte ein Alkoholproblem und ich hatte damit auch einen schwierigen Umgang. Ich habe komplett aufgehört. N. trinkt ab und zu normal, aber 3–4-mal im Jahr so viel, dass er Probleme bekommt, ihm das Fahrrad geklaut wird usw.

N: Das möchte ich ja auch nicht mehr. Ich möchte mir aber in der Woche ein Bier aus dem Kühlschrank holen können, ohne dass sie die Augen verdreht. Das entspannt mich.

Therapeut*in: Ich verstehe, Z., dass Sie sich Sorgen machen, dass N. unbeabsichtigt Schaden nimmt. Ich denke da an ein Paar vor vielen Jahren. Der Mann hatte alkoholisiert den Firmenwagen kaputtgefahren, seinen Job verloren und die Familie musste umziehen. Von denen hatte ich dann erst einige Jahre später wieder gehört. Da hatte die Frau geschrieben, dass ihr Mann von einem Treffen mit Freunden nicht zurückgekommen war, weil er im Alkoholrausch erstickt war. Sie war dann alleine mit den Kindern. Das wollen Sie natürlich nicht, Z. Aber Sie, N., so wie ich das verstanden habe, auch nicht. Aber Sie, N., sagen, dass Sie das entspannt. Ob der Alkohol das wirklich tut, weiß man ja nicht, darüber lässt sich ja auch wieder diskutieren. Aber einfach ein, zwei, drei Bier trinken zu dürfen, das ist ja auch eine erlebte Freiheit, das kann ich mir schon vorstellen. Könnten Sie beide einen Weg finden, bei dem Z. weiß, dass N. sich nicht auf das Gefühl „das vertrage ich noch“ verlässt, sondern auf eine bestimmte Menge, bei der weder er noch sie in Gefahr sind?

Z: Es ist ja gar nicht gesund für ihn, überhaupt …

N. unterbricht: Du isst ja Fleisch. Das ist auch nicht gesund …

Therapeut*in: Ah ja. Das meinte ich so nicht. Das wird sie ja wieder nicht weiterbringen. Diskutieren wird die Meinung von niemandem ändern. Aber das, was Sie eben, vor dem Alkohol-Thema berichtet hatten: dass Sie sich gegenseitig verstanden haben. Meinen Sie, Sie kriegen das auch hier hin? Z. lässt N. seine Freiheit in einem gewissen Rahmen und N. berücksichtigt Z.s Angst?

Beide möchten das ausprobieren.

Wir sind Katharina Middendorf und Ralf Sturm, führen seit 2015 unsere Praxis für Paartherapie und Sexualtherapie in Berlin, haben eine Kolumne im Berliner Tagesspiegel, inzwischen zahlreiche Bücher veröffentlicht und unterstützen Einzelpersonen und Paare wie Sie. Sie möchten mehr über uns erfahren? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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