Sind Kinder eine Bedrohung für das Paar?

Es fällt auf, dass die meisten Paare, die eine Paartherapie in Anspruch nehmen, Kinder haben. Dabei gibt es in Deutschland mehr Paare ohne Kinder.

Im Jahr 2024 hat das Statistische Bundesamt die in der Bundesrepublik lebenden Paarformen erhoben. Demnach leben ca. 11,5 Millionen Paare ohne Kinder und 9 Millionen mit Kindern.

Welche Gründe kann es geben, dass Paare mit Kindern in ihrer Paarbeziehung scheinbar mehr Beratung benötigen? Hier sind drei, die oft vorkommen:

1. Unterschiedliche Ansichten zur Kindererziehung 

Diese eigentlich sehr nützlichen unterschiedlichen Ansichten führen häufig zu Konflikten. Diese Konflikte werden im Laufe der Zeit oft verallgemeinert und nicht nur auf die Frage der Kindererziehung bezogen, sondern auf die Gesamtperson des Partners/der Partnerin und damit die Beziehungswahl ausgeweitet. Und darin liegt die Gefahr. 

Ein Beispiel: Ein Elternteil nimmt das frühe Zubettgehen des Kindes aus Gründen des hohen Schlafbedürfnisses von Kleinkindern sehr ernst. Der/die andere Partner*in bewertet das Spielbedürfnis des Kindes höher und lässt es abends länger aufbleiben. Konflikt: Der/die eine wirft dem/der anderen vor, keine Konsequenz walten zu lassen, der/die andere wiederum, dass immer alles so kontrollierend ablaufen muss. Der Konflikt der Elternbeziehung wird zum Allgemeinschauplatz der Paar- und Liebesbeziehung. 

Tipp: Unterstellen Sie sich gegenseitig gute Absichten. Versuchen Sie außerdem, die Ebene des Paares von der der Eltern zu trennen, z. B. mit den Worten: „Als Eltern haben wir gerade ein Problem. Aber als Paar wissen wir, dass wir das gut lösen werden.“

2. Weniger Pausen für Momente der Autonomie

Gerade kleine Kinder sind sehr zeit- und energieintensiv. Aus verschiedenen gesellschaftlichen Gründen sind Paare oft damit konfrontiert, dass das Kind „on top“ zu allem anderen kommt und nicht eine*r in beruflichen, organisatorischen u. ä. Dingen zurückfahren kann, um Zeit für die anfangs tag- und nachtfüllende Aufgabe zu haben, die der Nachwuchs mit sich bringt. Das Leben als Eltern startet somit mit einer Überlastung. Die meisten Menschen haben bis dahin Coping-Strategien entwickelt, mit denen sie mit Überbelastung umgehen können. Dazu gehört, dass sie ihrem Bedürfnis nach Autonomie nachkommen und selbstbestimmt Aktivitäten wählen können. Das fällt bei jungen Eltern meist komplett weg oder muss innerhalb der Paarbeziehung stark verhandelt werden, was wiederum Energie kostet. Es braucht also neue Coping-Strategien.

Tipp: Hören Sie auf zu denken, dass Sie das alles schon irgendwie schaffen werden. Planen Sie stattdessen ein, dass sich Ihr Leben jetzt verändert hat und sich Ihre Autonomie vorübergehend nicht mehr in Alleine-Aktivitäten ausdrücken kann. Sagen Sie statt „Jetzt muss ich noch kochen“ lieber: „Jetzt möchte ich noch kochen.“ „Jetzt möchte ich noch kochen.“ Das kann im Alltag einen großen Unterschied machen. 

3. Vergleiche mit anderen Eltern/Paaren

Bei anderen sieht es immer einfacher aus. Paare/Eltern neigen dazu, sich zu sagen: „Wenn wir nur auch ein Haus mit Garten hätten, wenn doch nur auch unsere Großeltern in der Nähe wohnen würden, wenn unser Kind doch einfach durchschlafen würde …“ Erstens ist es aber nunmal nicht so und zweitens, um aus dem Nähkästchen zu plaudern, haben auch diese Paare Probleme. Ein Haus muss finanziert und bewirtschaftet werden, die Großeltern sorgen für allerhand Konflikte in der Paarbeziehung und das Kind, das durchschläft, will meistens, wenn es tagsüber wach ist, nonstop beschäftigt werden.

Tipp: Wenn Sie merken, dass Ihr Blick zu anderen schweift, schließen Sie für einen Moment die Augen und richten Sie Ihre Aufmerksamkeit nach innen. Legen Sie dabei vielleicht die Hand auf Ihren Bauch oder Ihre Brust und atmen Sie sich in eine Verbindung mit sich selbst. Spüren Sie die Liebe zu Ihrem Kind und sagen Sie sich: „Ich mache das alles so gut ich kann. Wir machen das alles so gut wir können. Die Situation braucht jetzt einfach Ruhe. Und aus der Ruhe werde ich erkennen, was das Kind oder die Situation jetzt braucht. Und wenn das gelöst ist, dann nehme ich mir einen Moment für mich.“ Öffnen Sie dann die Augen. 

So oder so. Ihre Lebensphase wird sich verändern. Die Frage ist nur: Wie gehen Sie damit um, bis es soweit ist? Mit diesen Tipps werden Sie vermutlich ein wenig mehr Ruhe und Freude am Elternsein haben und später nicht sagen: „Jetzt sind die Kinder aus dem Haus, mein Gott, ging das schnell, ich habe so viel verpasst!”

Wir sind Katharina Middendorf und Ralf Sturm, führen seit 2015 unsere Praxis für Paartherapie und Sexualtherapie in Berlin, haben eine Kolumne im Berliner Tagesspiegel, inzwischen zahlreiche Bücher veröffentlicht und unterstützen Einzelpersonen und Paare wie Sie. Sie möchten mehr über uns erfahren? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.

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